Meine Meinung: Beitrag von Oliver Walter

Die zwei Seiten einer Medaille

Was verbindet eigentlich die geplante Biogasanlage mit unserem Theater? Beides steht auf der Tagesordnung unserer Stadträte im Monat September. Dies allein reicht natürlich noch nicht, um eine Verbindung daraus abzuleiten. Also welche Gemeinsamkeit gibt es noch?

Es ist, wie kann es anders sein, das liebe Geld. Das Theater benötigt eine Finanzspritze und die Stadt würde dem Theater sicherlich auch gerne helfen. Man kann dem Theater aber nur helfen, wenn man an einer anderen Stelle Geld streicht. Dies wäre ein Weg. Ein zweiter Weg ist, für zusätzliche Einnahmen zu sorgen. Und da kommt die Biogasanlage ins Spiel. Die Zustimmung zur Biogasanlage, würde der Stadt Einnahmen über mehrere 100 000 € einbringen. Können wir uns da eine Ablehnung leisten?

Sicherlich ist die Biogasanlage eine Industrieanlage mit allen Vor und Nachteilen. Fasst man die Argumente der Gegner zusammen, kommt dabei heraus, dass sie stinkt, laut ist, explosiv ist und dafür sorgt, dass Lebensmittel vernichtet werden. Ich will auch nicht behaupten, dass die Argumente falsch sind. Sie wurden aber leider in letzter Zeit häufig übertrieben dargestellt, um Ängste zu schüren. Es ist nun mal eine Industrieanlage. Und genau deshalb soll sie in einem Industriegebiet ca. 800 m entfernt von einer Wohnsiedlung gebaut werden. Die hier genannten Argumente treffen im Übrigen auch auf ein ganz normales Auto zu. Warum hat noch keiner gefordert, Autoparkplätze in sicherer Entfernung von Wohngebieten zu bauen, oder in Staßfurt eine Umweltschutzzone für den Verkehr einzurichten. Dafür hätte ein Stadtrat wohl keine Unterstützung unter der Staßfurter Bevölkerung und das zurecht.

Ich kann auch verstehen, wenn ein Stadtrat seine Prinzipien gegen diese ganze Biotechnologie hat. Aber das eine Fraktion, die seit Monaten fordert, die Wirtschaftsabteilung in der Stadt aufzustocken, um Industrieansiedlungen zu fördern, für die kommende Sitzung einen Antrag stellt, die Ansiedlung zu verhindern, löst bei mir nur noch Kopfschütteln aus. Können wir uns das wirklich leisten? Die Grünen sind dafür. Warum müssen dann andere Fraktionen noch „Grüner“ sein. Geht es ihnen wirklich um die Umwelt oder ist das schon Populismus?

Ich glaube, der Investor wird so eine Anlage bauen. Wenn nicht in Staßfurt, dann eben woanders. Und damit wandern auch Einnahmen weg. Schau ich nach Haldensleben oder Osterweddingen, sehe ich Industrie, die für den Raum Staßfurt auch einmal im Gespräch war. Ich jedenfalls möchte kein Stadtrat sein, der einerseits auf Einnahmen durch Verhinderung einer Industrieansiedlung verzichtet und andererseits in derselben Sitzung dem Theaterförderverein sagen muss, dass sie keinen Zuschuss erhalten können, da kein Geld da ist.

 

Oliver Walter

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